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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 30. Maerz 2011; 02:40
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Debatte/Libyen:

> Was bin ich froh, so naiv und dumm zu sein

Zu Th.Schmidingers "Zur Kritik mancher Linker",
akin 8/2011 (akin-pd 23.3.)

Gewalt bringt Gewalt hervor, Krieg ist keine Loesung. So denke ich
immer noch. Herr Schmidinger, einst engagiert in der Arge
Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Fluechtlingsbetreuung, ist
schon gescheiter geworden, er verteidigt den Krieg gegen Libyen, weil
es ja um die Zivilbevoelkerung geht. Dazu moechte ich mich aeussern.

Im Gegensatz zu den vielen verschwiegenen Kriegen machen die
buergerlichen Medien uns auf diesen Krieg nur aufmerksam, weil sich
sogenannte "Elitenationen" daran beteiligen. Weder die USA, noch
Grossbritannien, noch Frankreich haben je einen Krieg gefuehrt, um
Menschenleben zu schuetzen oder auch nur zu achten. Libyen hat Oel,
die Oelquellen gehoeren schleunigst unter "westliche" Kontrolle,
ueberhaupt jetzt, wo der Garant Atomindustrie ins Wanken geraet. Fuer
einen "demokratischen Wandel" wird da plaediert. Was ist bitte der
Inhalt des "demokratischen Wandels"? Ein Regime wie in den USA, dass
ein Atombombenarsenal beherbergt, um die ganze Welt in die Luft zu
jagen? Dass die gesamte Menschheit vernichten kann? Ein Regime wie in
Frankreich, dass sich aus den Fingern luegt, in Libyen Menschenleben
retten zu wollen und gleichzeitig Romas aus dem eigenen Land
vertreibt? Finden wir jetzt ploetzlich die sogenannten "Demokratien"
innerhalb der EU so toll, die Fremdengesetze zusammenbasteln, die es
Menschen die eine Flucht hinter sich gebracht haben, nicht mehr
ermoeglicht, in einem dieser Laender zu leben? Sind diese Demokratien
menschlich? Orientieren sie sich an den Beduerfnissen von Menschen?
Wieviel ist diesen Demokratien ein Menschenleben wert? Eine moralische
Ueberlegenheit auch nur eines einzigen Landes dieser "westlichen"
Demokratien kann ich nicht erkennen.

Frieden zu schliessen, indem Menschen getoetet werden, ist voellig
widersinnig. Ausgerechnet den Krieg im ehemaligen Jugoslawien als
Beispiel dafuer zu nennen, schneller und effizienter militaerisch
einzugreifen ist absurd. Schliesslich waren es Herr Otto Habsburg,
Herr Mock und Herr Genscher, die sich im Habsburg- Schloss in Salzburg
zusammen gefunden hatten, um die Abtrennung Sloweniens zu beschliessen
und in der EU durchzupeitschen. Die Friedensbewegung machte einen
Aufschrei: Das wird Krieg bedeuten. Warum waren die Herrscher in
Jugoslawien so unliebsam geworden? Weil sie den Kriterien des IWF
nicht Folge geleistet haben und gemacht haben, was Tito auch immer
gemacht hatte: auf eigene Faust Geld drucken. Das hat der
internationalen Geldwirtschaft nicht mehr gepasst. Das
oesterreichische Interesse wurde durch einen oesterreichischen General
formuliert: "Im Balkan werden wir der Wirtschaft den Boden
aufbereiten". (General Wolf, mit wir ist die Armee gemeint)

Krieg wird aus handfesten oekonomischen Interessen gefuehrt. In
Afghanistan hatten wir jahrelang nur duenne Belege, dass die
Frauenrechte dort mehr geachtet werden sollten, an diesen Schmaeh hat
wohl kaum jemand geglaubt. Jetzt wissen wir, was die US-amerikanischen
Geheimdienste schon lange vermutet hatten, Afghanistan ist ein
unglaublich rohstoffreiches Land. Um welche Ressourcen es in Libyen
genau geht, werden wir erst spaeter erfahren. Einen Menschen zu toeten
ist nicht so einfach. Das aeusserste Mittel um eigene wirtschaftliche
Interessen durchzusetzen sind Armeen. Staaten schaffen Armeen, da die
Herrschenden diese Form der Konstellation im Interesse des
Kapitalismus als durchsetzungsfaehig erachten. Menschen werden in
Armeen ihrer Persoenlichkeit beraubt, um auf Befehl der herrschenden
Menschen zu toeten. Diese Form der Gewalt wird denen, die zum
Schiessen gezwungen werden eintrainiert, indem ihnen Schaden zugefuegt
wird. Das Verachten anderer Menschen wird ihnen beigebracht, ganz
besonders die Verachtung alles Weiblichen. Herrschaft und Gewalt
bedingen sich gegenseitig. Wenn Menschen andere befehligen zu toeten,
gibt es dafuer Interessen, denn die Aufrechterhaltung dieser Struktur
kostet Ressourcen. "Soldaten sind Moerder" (Kurt Tucholsky). Welcher
Mensch kann das Recht haben, ueber Leben und Tod eines anderen
Menschen zu entscheiden?
*rosalia krenn, arge wehrdienstverweigerung*

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