Broschüre: Was hat Gemüse mit Migration zu tun? |
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Geschrieben von no-racism.net | |
Donnerstag, 15. Mai 2008 | |
![]() Die Broschüre "Peripherie & Plastikmeer. Globale Landwirtschaft - Migration - Widerstand" thematisiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen von MigrantInnen in der europäischen Landwirtschaft. Wie aus dem Titel hervorgeht, wird neben der Situation auf den Feldern der EU auch auf die Situation in den Herkunftsländern der MigrantInnen, wie Senegal, Rumänien ... geblickt. "Ob Hungerrevolten im globalen Süden, wütende Proteste von Milchbauern und -bäuerinnen in Deutschland oder weltweiter Widerstand gegen gentechnologisch manipuliertes Saatgut - es liegt schon lange zurück, dass landwirtschaftspolitische Fragestellungen derart viel Beachtung in den (Massen-)Medien erfahren haben wie zur Zeit. Auf diese Weise wird der ebenso simple wie grundsätzliche Umstand in Erinnerung gerufen, dass im Kapitalismus selbst die Produktion von Nahrungsmitteln der schnöden Logik des Profits gehorcht. Einer der diesbezüglich markantesten Sachverhalte ist zweifelsohne das komplexe Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Migration - ihm soll in dieser Broschüre nachgegangen werden." Die Broschüre wurde im April 2008 von NoLager Bremen und dem Europäisches BürgerInnenforum herausgegeben. Sie kann unter
um 5 Euro bestellt oder hier als pdf runtergeladen (114 Seiten) werden. Mit der Broschüre soll einerseits die Arbeit der LandarbeiterInnengewerkschaft SOC-SAT sichtbar und unterstützt werden: "Die SOC-SAT ist eine andalusische LandarbeiterInnengewerkschaft. Sie setzt sich nicht nur für die sozialen Rechte von LandarbeiterInnen ein. Zu ihrer Agenda gehören auch antirassistische Aktivitäten, nicht zuletzt die offensive Unterstützung papierloser MigrantInnen in der agrarindustriellen Obst- und Gemüseproduktion Südspaniens. Diese doppelte Ausrichtung der SOC-SAT ist in Europa nahezu einzigartig." In der Broschüre wird dazu aufgerufen, die Arbeit der SOC-SAT mit Spenden zu stärken: Bankverbindung: Posojilnica-Bank Zelezna Kapla/Bad Eisenkappel BLZ: 39130 Konto: Verein Europäisches BürgerInnenforum/Österreich, Nr.: 8.055.451 IBAN: AT94 3913 0000 0805, BIC: VSGKAT2K130 Betreff: SOC-SAT Kampagne Andererseits werden auch Möglichkeiten für Widerstand präsentiert: NoLager Bremen plant zusammen mit mehreren Gruppen und Einzelpersonen aus dem antirassistischen, landwirtschaftlichen und klimapolitischen Spektrum eine Kampagne rund um das Thema "Supermärkte und globale soziale Rechte". Die Auftaktveranstaltung findet am 14. Mai 2008 in Bremen statt: "Supermärkte und Globalisierung. Vom Ausverkauf sozialer Rechte durch EU, Lidl & Co." Im folgenden dokumentieren wir das Editorial der Broschüre: Liebe LeserInnen,ob Hungerrevolten im globalen Süden, wütende Proteste von Milchbauern und -bäuerinnen in Deutschland oder weltweiter Widerstand gegen gentechnologisch manipuliertes Saatgut - es liegt schon lange zurück, dass landwirtschaftspolitische Fragestellungen derart viel Beachtung in den (Massen-)Medien erfahren haben wie zur Zeit. Wir begrüßen das - bei aller Dramatik des Anlasses. Wird doch auf diese Weise der ebenso simple wie grundsätzliche Umstand in Erinnerung gerufen, dass im Kapitalismus auch die Produktion von Nahrungsmitteln der schnöden Logik des Profits gehorcht. Einer der diesbezüglich markantesten Sachverhalte ist zweifelsohne das komplexe Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Migration. Ihm möchten wir im Rahmen dieser Broschüre auf drei Ebenen nachgehen:
In Sachen Supermarkt-Kampagne findet Mitte Mai 2008 in Bremen eine erste größere Veranstaltung statt - unter dem Motto "Supermärkte und Globalisierung. Vom Ausverkauf sozialer Rechte durch EU, Lidl & Co.". Neben einer Lidl-Kampagnerin von ver.di - sowie weiteren Gästen - wird an dieser Veranstaltung auch Spitou Mendy von der SOC-SAT teilnehmen. Das ist insofern bedeutsam, als sich erst vor diesem Hintergrund die konkreten Zielsetzungen benennen lassen, welche wir mit der Erstellung dieses Readers verbinden: Erstens möchten wir die Arbeit der SOC-SAT politisch und materiell unterstützen - der ausdrückliche Verweis auf das diesbezügliche Spendenkonto (vgl. Umschlaginnenseite) ist deshalb mehr als bloße Solidaritätsfolklore! Zweitens möchten wir uns für Kooperationsprojekte entlang so genannter Wertschöpfungsketten stark machen - etwa zwischen Lidl- Beschäftigten in Deutschland und papierlosen LandarbeiterInnen in Südspanien. Ein Unterfangen - so viel dürfte sich von selbst verstehen - welches nur gelingen wird, so denn Differenzen und Widersprüche offen angegangen werden: etwa die Debatte um die von antirassistischer Seite propagierte Forderung nach globaler Bewegungsfreiheit (verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die Initiative www.globale-soziale-rechte.de). Drittens möchten wir einen Beitrag zur Forcierung transnationaler Organisierungsprozesse leisten. Exemplarisch sei das Interview mit dem kongolesischen Via Campesina-Aktivisten Victor Nzuzi hervorgehoben oder der Bericht einer transnational zusammengesetzten Gewerkschaftsreise nach Rumänien. Der hier vorgelegte Reader ist keineswegs vom Himmel gefallen, er steht vielmehr in unmittelbarem Zusammenhang mit früheren, wärmstens empfohlenen Publikationen: Zum einen mit zwei vom Europäischen BürgerInnenforum herausgegeben Sammelbänden: "Bittere Ernte - Die moderne Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft Europas/2004" und "Anatomie eines Pogroms - z.B. El Ejido: Bericht einer Delegation europäischer Bürgerinnen und Bürger über die rassistischen Ausschreitungen vom Februar 2000 in Andalusien". Zum anderen mit dem vom "Aktionsnetzwerk globale Landwirtschaft" anlässlich des G8-Gipfels erstellten Reader "Widerstand ist fruchtbar. Analysen und Perspektiven für eine nichtkapitalistische Landwirtschaft". Ihr findet genauere Angaben zu diesen und vielen anderen Publikationen und Links im letzten Teil der Broschüre. Last but not least: Wir möchten all jenen InterviewpartnerInnen danken, die von ihren eigenen Erfahrungen in der Saisonarbeit berichtet haben! Denn meist sind es erst solche Berichte, welche überhaupt einen Zugang zu der in den reichen Industrieländern gemeinhin verdrängten Welt landwirtschaftlicher Produktion ermöglichen.
*** Quelle der Rezension: http://no-racism.net/article/2548/ |
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