**********************************************************
akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 6. Juni 2018; 21:24
**********************************************************

Wien/International:

> Protest gegen Hashim Taci

FriedensaktivistInnen kritisieren einseitige Kosovo-Debatte in der
Diplomatischen Akademie
*

Am 30.Mai fand in der Wiener Diplomatischen Akademie, einer Institution des
FPÖ-geführten österreichischen Außenministeriums, die Präsentation des
Buches "New State, modern Statesman. Hashim Taci - A biography" statt. Die
Autorin Suzy Jagger war persönlich nicht anwesend. Am Podium saßen Albert
Rohan, der vor 2008 den sogenannten "Wiener Dialog" zur Statusfrage des
Kosovo leitete, der ehemalige Sonderbeauftragte für den Kosovo Wolfgang
Petritsch, als Überraschungsgast der albanische Präsident Edi Rama und der
Präsident der sogenannten "Republik" Kosovo Hashim Taci.

Rohan berichtete über seine Erfahrungen während der Kosovo-Gespräche in Wien
und Petritsch über seine ersten Begegnungen mit dem damals jungen
UCK-Vertreter Hashim Taci Mitte der 90er Jahre in den Lagern der UCK. Beide
Österreicher sprachen sehr offen über die von Beginn an bestehende Sympathie
für die kosovo-albanischen Unabhängigkeitsbestrebungen. In ihren Statements
wurde die serbisch-jugoslawische Seite als die eines Aggressors beschrieben.
Taci hingegen wurde als "Freiheitskämpfer" und "Revolutionär" dargestellt.
Das Buch zeige die positive Wandlung Tacis hin zu einem "modernen
Staatsmann" des "jüngsten Staates" Europas, der heute für die "besten
Minderheitenrechte bekannt ist" und eine "stabile Demokratie" darstelle.

Die serbisch-jugoslawische Seite wurde als starrköpfige, nicht
kompromisswillig dargestellt, die alle Vorschläge der "Internationalen
Gemeinschaft" abgelehnt habe. Vom Ramboulliet-Abkommen, über die Wiener
Gespräche bis heute. Mit keinem Wort wurde von Petritsch erwähnt, warum die
Verhandler der Bundesrepublik Jugoslawien das Ramboulliet-Abkommen
ablehnten, kein Wort zum Annex B, der der NATO völlige Freiheit auf dem
gesamten Territorium Jugoslawiens zugesichert hätte. In allen Ausführungen
wurde die völkerrechtswidrige NATO-Aggression als notwendige humanitäre
Intervention und die UCK als Volksbefreiungsbewegung verbrämt. Es wurde auch
kein Wort über die kriminellen und mafiösen Machenschaften der UCK und die
Vorwürfe gegen Hashim Taci in diesem Zusammenhang verloren.

In diese inhaltliche Richtung geht auch das Buch von Suzy Jagger. Taci wird
darin als "Richard Nixon" des Balkans beschrieben, in Anlehnung an die
Bereitschaft Nixons mit der Volksrepublik China in Verhandlungen zu treten.
Taci tue dies nun mit Serbien und sei daher "der wichtigste Faktor der
Stabilität" in der Region.

Taci selbst berichtete über das freundschaftliche Treffen mit Bundeskanzler
Sebastian Kurz am Tag davor in Wien, wo er die Zusicherung bekam, dass
"Österreich auch weiterhin fest an der Seite des unabhängigen Kosovo stehen
werde und alles dafür tun werde, dass die EU-Perspektive für sein Land
Realität werde". Taci präsentierte sich selbst als den "modern Statesmann",
der die "euro-atlantische Orientierung des Kosovos weiterführen werde". Die
Ko-Referenten meinten dann schlussendlich, dass "unser Freund Taci nicht nur
sein Land befreit hätte, sondern in Wahrheit auch Serbien von dessen eigenen
Albträumen".

Im Rahmen der Publikumsrunde stellten AktivistInnen der Friedens- und
Anti-NATO-Bewegung Fragen an Petritsch und Rohan: "Sie beide kennen Herrn
Taci sehr lange und sehr gut! Sie kennen seinen Hintergrund und seine
Vergangenheit. Wie ist es da möglich, hier so ein einseitiges Bild zu
vermitteln?" Und von welchem "demokratischen und stabilen Kosovo" hier
eigentliche die Rede sei? Erst einen Tag zuvor wären wieder Serben auf ihrem
Weg zu einer Kirche nahe Klina von einem Mob Radikaler angegriffen. Es
vergehe kein Tag, wo man nicht Meldungen von Übergriffen gegen Serben aus
den Dörfern des Kosovo lesen müßte.

Im Anschluss an die Aktion verließen die Protestierenden den Saal. Das
Publikum reagierte geteilt, einige klatschten, einige beschimpften die
Aktivisten als "Faschisten".
(David Stockinger, Michael Wögerer/Unsere Zeitung/gek.)


Volltext:
https://www.unsere-zeitung.at/2018/06/01/protest-gegen-kosovarischen-praesidenten-taci-in-wien/


***************************************************
Der akin-pd ist die elektronische Teilwiedergabe der nichtkommerziellen
Wiener Wochenzeitung 'akin'. Texte im akin-pd muessen aber nicht
wortidentisch mit den in der Papierausgabe veroeffentlichten sein. Nachdruck
von Eigenbeitraegen mit Quellenangabe erbeten. Namentlich gezeichnete
Beitraege stehen in der Verantwortung der VerfasserInnen. Ein Nachdruck von
Texten mit anderem Copyright als dem unseren sagt nichts ueber eine
anderweitige Verfuegungsberechtigung aus. Der akin-pd wird nur als
Abonnement verschickt. Wer versehentlich in den Verteiler geraten ist, kann
den akin-pd per formlosen Mail an akin.redaktion@gmx.at abbestellen.

*************************************************
'akin - aktuelle informationen'
postadresse a-1170 wien, lobenhauerngasse 35/2
vox: 01 53 56 200
redaktionsadresse: dreyhausenstaße 3, kellerlokal, 1140
vox: 0665 65 20 70 92
http://akin.mediaweb.at
blog: https://akinmagazin.wordpress.com/
facebook: https://www.facebook.com/akin.magazin
mail: akin.redaktion@gmx.at
bankverbindung lautend auf: föj/BfS,
bank austria, zweck: akin
IBAN AT041200022310297600
BIC: BKAUATWW