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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 21. März 2018; 04:33
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Glosse:

> Kein Anschluss

Kein Anschluss unter dieser Nummer! So tönte es einst aus dem analogen
Telephon, wenn man sich zum Beispiel irgendwie verwählt hatte. Und rund um
den sogenannten Anschluss Österreichs 1938 konnte man sich ja sowas von
verwählen, dass einem die direkte Demagogie förmlich in die Existenz
einbrach, was nicht wenigen im Anschluss (sic) daran selbige kostete. Zum
80-jährigen Gedenken an diesen historischen Schwachsinn überschlägt sich die
Medienwelt geradezu in nichtendenwollenden Dokumentationen, was wiederum
Unlust und Unmut erregt, doch warum? Vielleicht, weil die Darstellung der
Ereignisse, die dem 12. März 1938 vorausgingen, seit 1945 so ideologisch
verbrämt und parteipolitisch besetzt sind, dass kaum je ein Redakteur dem
diesbezüglichen Nachkriegskonsens entkommt.

Von einem Dreiviertelfaschismus schrieb Erich Fried im Hinblick auf derlei
akadämliche Diskussionen später in seinem Text "Der große Tag von Linz", den
er als damals 16-jähriger zusammen mit seinem Vater vor dem Radio erlebte,
aus dem "der letzte Bundeskanzler" (einer seit 1934 verfassungswidrig zur
ständestaatlichen Diktatur umgeschwindelten Ersten Republik Österreich),
Kurt Schuschnigg, sein klares und eindeutiges JEIN zum Deutschöstertum
verlauten ließ: "Damit verabschiede ich mich vom österreichischen Volk mit
einem deutschen Wort und einem Herzenswunsch: Gott schütze Österreich!" Wes
das Herz überquillt, des offenbart sich eben führer oder später. Derselbe so
lauwarm daherweinerlnde "Führer der vaterländischen Front" hatte für die
geplante Volksabstimmung über die Eigenstaatlickeit nicht einmal Stimmzettel
für eventuelle Neinsager vorbereitet. Hätte man also für den Anschluss ans
Deutsche Reich votieren wollen, dann hätte man sich den Stimmzettel dafür
auch noch selbst mitbringen müssen. Katholisch alternativlos überhitlert der
Austrofaschismus die deutschen Nazis dann doch - zumindest in diesem Detail.
Denn deren Stimmzettel für die am 10. April tatsächlich durchgeführte
Abstimmung hatte immerhin ein Kreiserl fürs Nein - wenn auch klein.

Im Nachhinein ist es oft leicht zu erkennen, wozu man von Anfang an lieber
doch Nein sagen hätte sollen, wollen. Ja, wollen! Mit Karl Valentin: "Wollen
hätten wir schon mögen, nur dürfen haben wir uns halt nicht getraut."

*Norbert K. Hund*



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