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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 19. Dezember 2012; 03:40
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Das Letzte:

> Die ganz normale Hetze

Am 31.Juli 2012 hatte die Kronen-Zeitung mit der Schlagzeile
aufgemacht "Fuenffach-Moerder als Asylwerber!" Einen Tag spaeter fand
man auf Seite 11 eine klitzekleine Notiz, dass der Asylwerber die
Morde nur erfunden habe. Selbst die Polizei hatte das ohne jegliche
Veranlassung abgegebene Gestaendnis des Afghanen, der in seiner Heimat
diese Morde begangen haben will, von Anfang an nicht so recht
geglaubt -- war dies doch einfach nur seine Reaktion darauf gewesen,
dass man ihn an der oesterreichischen Grenze festgenommen hatte. Es
duerfte eine Schutzbehauptung gewesen sein, da dem Mann dafuer die
Todesstrafe in Afghanistan droht und damit ein Abschiebehindernis
vorhanden gewesen waere, vermutete die Polizei.

Aufgrund einer Leserbeschwerde musste sich auch der oesterreichische
Presserat mit dieser Geschichte befassen. Und der entschied jetzt:
"Der Senat vertritt die Ansicht, dass hier kein medienethischer
Verstoss vorliegt. Der Mann hatte die Morde von sich aus gestanden,
wobei im ersten Artikel auch darauf hingewiesen wurde, dass die
Polizei dieses Gestaendnis noch ueberpruefe. Vor diesem Hintergrund
ist die Bezeichnung als ,Fuenffach-Moerder' nicht zu beanstanden, der
,Kronen Zeitung' ist somit aus medienethischer Sicht kein Vorwurf zu
machen. ... Darueber hinaus erfolgte am darauffolgenden Tag, nachdem
sich die Angelegenheit aufgeklaert hatte, ohnedies eine Klarstellung,
die in dieser Form jedenfalls ausreichend war, zumal von vorneherein
kein journalistischer Fehler vorgelegen war. Der Journalist durfte
naemlich auf die Richtigkeit der Angaben vertrauen, da diese von der
Polizei stammten bzw. auf Aussagen des Betroffenen beruhten.
Journalisten sind zur Wahrhaftigkeit verpflichtet, nicht aber dazu,
die absolute Wahrheit zu erforschen."

Angesichts der Schlagzeile, die nicht mal anstandshalber ein
Fragezeichen hinter der ungeheuren Behauptung vorzuweisen hatte, ist
das eine interessante Feststellung ueber die Serionsitaetsstandards,
die in der oesterreichischen Medienlandschaft heutzutage gelten
duerften.
(Kobuk/akin)

Die Geschichte im Detail:
http://www.kobuk.at/2012/12/krone-baut-richtig-mist-und-presserat-findets-in-ordnung/




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