**********************************************************
akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 9. November 2010; 23:31
**********************************************************

Letzte Worte:

> Ulrike Meinhof hatte doch recht

Es ist ja schon nett. Da kommt der Herr Rothensteiner von der
Raiffeisen-Zentralbank (RZB) und erklaert, dass die oesterreichischen
Banken so arm seien, dass sie natuerlich die Bankensteuer auf ihre
Kundschaft ueberwaelzen muessten. Attac rechnet dabei im Gegenzug vor,
dass laut Nationalbank die Gewinne des Bankensektors sich allein im
ersten Halbjahr 2010 auf 3,5 Milliarden Euro belaufen. Die
Bankenabgabe von insgesamt 500 Millionen macht also lediglich etwa 7%
des Jahresgewinns aus.

Aber die Banken sind ja so arm. Speziell die RZB. Aber obwohl sie so
arm ist, weiss sie doch sehr wohl, was unternehmerische Verantwortung
(neudeutsch: "Corporate Responsibility", kurz CR) ist. Und erklaert es
auch gleich ausfuehrlich* -- es ist wirklich ein Genuss, das zu lesen
und deswegen sei es hier ausfuehrlich zitiert:

"Die Raiffeisen Zentralbank Oesterreich AG (RZB) ist das
Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe Oesterreich. In ihren
Grundprinzipien geht diese auf die Ideen von Friedrich Wilhelm
Raiffeisen zurueck. Fuer ihn waren gesellschaftliche Solidaritaet,
Selbsthilfe und Nachhaltigkeit Leitlinien fuer das wirtschaftliche
Handeln. Mit ihren verbundenen Unternehmen (RZB-Gruppe) ist die RZB
eine wesentliche wirtschaftliche Kraft in Oesterreich und in vielen
Laendern, in denen sie taetig ist. Sie bekennt sich zur nachhaltigen
Unternehmensfuehrung und zur damit verbundenen gesellschaftlichen
Verantwortung. Ihre Rolle in der Wirtschaft ist gepraegt durch gelebte
Verantwortung gegenueber Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, Aktionaeren sowie der Gesellschaft. (...) Stolz auf
unsere Geschichte und Tradition setzen wir ,Corporate Responsibility'
mit ,Wirtschaften á la Raiffeisen' gleich. Wir leben ein nachhaltiges
Wirtschafts- und Sozialmodell und streben eine vernuenftige Balance
zwischen Marktwirtschaft und sozial-oekologischer Verantwortung an."

Die RZB-Gruppe hat natuerlich auch ein "CR-Komitee" mit der Aufgabe
die "Weiterentwicklung von CR in der RZB Group zu begleiten". Dieses
"versammelt eine hohe Expertise zu den Bereichen Wirtschaft, Umwelt
und Soziales". Ja und bei dieser Zusammensetzung des Komitees versteht
man schon, warum die RZB ihm diese Expertise zutraut. Neben den
Generaldirektoren von RZB und Raiffeisenbank International gehoeren
dem Komitee an: Vorstandsvorsitzende von zwei weiteren Banken der
Raiffeisengruppe sowie einer Baumarkt-Kette, der ehemalige
EU-Kommissar Franz Fischler, ein Vertreter der
Industriellenvereinigung, die Geschaeftsfuehrerin einer Werbefirma,
ein Marktforscher und die Generaldirektorin des Kunsthistorischen
Museums in Wien.

Tja und diese Expertise vor allem fuer Umwelt und Soziales hat
natuerlich auch praktische Auswirkungen. So fuehrt die RZB in ihrem
Geschaeftsbericht 2009 sogar zwei echte Massnahmen als CR an, naemlich
dass sie netterweise einen Kredit fuer ein Wasserkraftwerk in Bhutan
vergeben hat (fuer den die Kontrollbank die Haftung uebernimmt) und
dass auf dem Dach der RZB-Zentrale jetzt eine Photovoltaik-Anlage
steht.

Also wenn das nicht Corporate Responsibility ist? Das ist ja fast
schon Corporate SOCIAL Responsibility!

Wie hiess das bei Ulrike Meinhof? "Wir koennen sie nicht zwingen, die
Wahrheit zu sagen..."
-br-


*
http://www.rzb.at/eBusiness/rzb_template2/677043205476211500-677043205476211501_679789700419741890_679797201848566631-679797201848566631-NA-9-DE.html



***************************************************
Der akin-pd ist die elektronische Teilwiedergabe der
nichtkommerziellen Wiener Wochenzeitung 'akin'. Texte im akin-pd
muessen aber nicht wortidentisch mit den in der Papierausgabe
veroeffentlichten sein. Nachdruck von Eigenbeitraegen mit
Quellenangabe erbeten. Namentlich gezeichnete Beitraege stehen in der
Verantwortung der VerfasserInnen. Ein Nachdruck von Texten mit anderem
Copyright als dem unseren sagt nichts ueber eine anderweitige
Verfuegungsberechtigung aus. Der akin-pd wird nur als Abonnement
verschickt. Wer versehentlich in den Verteiler geraten ist, kann den
akin-pd per formlosen Mail an akin.buero{AT}gmx.at abbestellen.

*************************************************
'akin - aktuelle informationen'
a-1170 wien, Lobenhauerngasse 35/2
vox: ++43/1/535-62-00
(anrufbeantworter, unberechenbare buerozeiten)
http://akin.mediaweb.at
akin.buero{AT}gmx.at
Bankverbindung lautend auf: föj/BfS,
Bank Austria, BLZ 12000,
223-102-976-00, Zweck: akin