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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 4. Mai 2010; 17:39
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1.Mai

> Die Waffen nieder

Antimilitaristischer Redebeitrag zum 1.Mai in Salzburg

Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Es ist ein alter Satz und er
behinhaltet eine Wahrheit. Es waren nicht die und nicht alle, aber
Maenner, die aus Besitzgier und den Geluesten der Reichtumsvermehrung
die Moeglichkeit genutzt hatten, Kapital daraus zu schlagen, zunaechst
einmal die Frauen als ihr Eigentum zu betrachten, um daraus einen
Begriff der Aneignung von Reichtum zu generieren. Die Frau ist ein
dankbares Gut diesbezueglich. Emotional sind wir erpressbar,
spaetestens, wenn ein Kind in uns waechst. Zwischen der Ausentwicklung
des Patriarchats und der Organisation von Krieg gibt es einen
Zusammenhang, einen urspruenglichen Zusammenhang.

Joshua Key, ein US-amerikanischer Deserteur des jetztigen Irak-Krieges
wurde von der Army unter betruegerischen Voraussetzungen in diesen
Krieg gelockt, es wurde dem Mann erklaert, er wuerde nie in einen
Krieg eingezogen werden, sollte er sich fuer die Army entscheiden.
Weil er ja Familie und Kinder zu versorgen haette, wuerde er nur in
den USA Dienste zu verrichten haben. Wenige Monate spaeter, er hatte
sich aus existentiellen Gruenden fuer die Ausbildung in der Army
entschieden, ist sein Einberufungsbefehl gekommen, er musste in einen
Krieg ziehen, von dem alle sagen, dass es gar keiner ist. Naja, neben
den ueblichen Pluenderungen und Verfolgungen hatte er ein
Schluesselerlebnis. Er hatte ein Camp zu bewachen, mit allem Drum und
Dran; innerhalb dieses Kaefigs, in dem sich irakische "BewohnerInnen"
aufhalten mussten, befand sich ein Maedchen. Sie haette so alt sein
koennen wie seine Tochter. Das Maedchen kam haeufig an den Zaun, immer
laufend, immer in Bewegung, um Essen zu erbitten. Der spaetere
Deserteur gab ihr sein Essen. Er bemerkte, dass ihre Mutter das
Maedchen dazu anhielt, mehr Nahrung zu beschaffen. Joshua Key hatte
daraufhin mehr Essen fuer das Kind organisiert. Eines Tages sprang sie
in ihrer lebhaften Art und Weise auf ihn zu und wurde im Laufen
erschossen. Von US-amerikanischen Soldaten. Er war Zeuge, er war
dabei. Sein Glueck war es, bei seinem naechsten Urlaub in den USA sich
mit Unterstuetzung einer internationalen Deserteursbegleitung soweit
in Sicherheit bringen zu koennen, dass er bislang im Bereich
strafrechtlicher Konsequenzen nicht belangbar ist.

Und nun haben wir es mit einem US-amerikanischen Praesidenten zu tun,
der den Friedensnobelpreis traegt. Die Grausamkeiten nehmen weder im
Irak noch in Afghanistan ein Ende. Dieser Praesident, auch wenn er
keine weisse Hautfarbe traegt, haette nur dann eine Glaubwuerdigkeit,
wenn er sich kritisch zur Gewalt, die die USA weltweit ausuebt,
aeussern wuerde. Das Gegenteil ist der Fall. Die USA ruesten weiterhin
munter auf. Neue Waffensysteme werden entwickelt; Wer sind die
naechsten Opfer, an denen diese ausprobiert werden? Weder aeussert
sich dieser Friedensnobelpreistraeger kritisch zur Todesstrafe, noch
wuerde er die Soldaten, die er todbringend befehligt, Einhalt
gebieten. Allein die Tatsache genuegt, dass sich ein Mann als maechtig
genug erachtet, ueber Leben und Tod zu entscheiden, weil die
Kapitaltraeger dieser Welt ihn als willfaehrigen Helfershelfer
anerkannt haben. Die US-amerikanische Regierung ist bestrebt, ihre
alten Atomwaffenarsenale zu reduzieren, zugunsten modernerer
Waffensysteme. Das freut uns aber sehr. Die buergerlichen Medien
verkaufen uns diese Strategie als Abruestungsbemuehung.

Die Gremien, die ueber die Verleihung des Friedensnobelpreises
entscheiden, haben sich fuer den Staatspraesidenten eines Landes
entschieden, der sich aktiv und befuerwortend im Krieg befindet, um
die Kontrolle ueber Profit bringende Ressourcen mit aller Gewalt zu
erbeuten.

Erbaermlich. Das ist erbaermlich. Eher fragend stehe ich den Werken
und Taten einer Bertha von Suttner gegenueber, die einen konsequenten
Antimilitarismus vertreten, aber gedacht hatte, die Herrschenden
erreichen zu muessen. Nein und ja. "Die Waffen nieder", ja, aber die
Veraenderung sind wir. Wenn wir eine bessere Welt wollen, sind wir auf
uns selbst zurueckgeworfen. Uns wird nix geschenkt. Aber jetzt ist der
Wonnemonat Mai. Lasst uns aufstehen, nicht resignieren. Her mit dem
schoenen Leben.

*rosalia krenn, arge wehrdienstverweigerung*


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